Die Macht des Web 2.0 – Best Practice am Beispiel von Nogger Choc
Das Eis Nogger wurde von Langnese 1964 in Deutschland eingeführt und war in den 80er und 90er durch den Werbeslogan “Nogger dir ein” das bekannteste Eis in Deutschland. Nach einer Rezeptumstellung (der Kern aus Nuss-Nougat wurde geändert) brach der Abverkauf ein. So entschloss sich Langnese (was zum Unilever-Konzern gehört) die Produktion einzustellen und das Eis aus der Kühltruhe zu verbannen.
Die Stimme des Volkes blieb nicht stumm:
In der StudiVZ-Gruppe „Nogger Choc-Vermisser“ mobilisierten sich seit 2001 über 16.000 Nogger-Liebhaber und organisierten u.a. E-Mail-Aktionen an Langnese. Zahlreiche Online-Petitionen, wie z.B. “Nogger Choc für die Welt!” unterstützten mit über 5.000 Unterschriften die Aktion.
Der Consumer-Service von Langnese unterrichtete das Produkt-Management von den zahlreichen Anfragen (ca. 10.000!). Die StudiVZ-Gruppe wurde vom Produktmanagement sehr ernst genommen und es wurde Kontakt zu dem Gründer der StudiVZ-Gruppe aufgenommen, ein Hamburger Student. Die verantwortlichen Produkt-Manager entschieden sich 2007 das Nogger Choc wieder einzuführen – aufgrund der zahlreichen Zustimmung im Web. 2008 war es dann soweit: Nogger Choc kam zurück!
Da der Weg zur Wiedereinführung ein ungewöhnlicher war, entschieden sich die Verantwortlichen von Langnese mit Hilfe Ihrer PR-Agentur Edelmann bei der Einführung auf eine klassische PR-Kampagne zu verzichten und veröffentlichten vor dem offiziellen Start-Termin ein Viral-Clip mit der Message: “Es war eine Fehlentscheidung. Danke an alle die an Nogger Choc geglaubt haben”. Der Clip unterscheidet sich von den reinen Werbeclips: Der Marketing-Direktor Ice Cream, sowie die Verantwortlichen im Produktmanagement bedankten sich bei der Fan-Gemeinde. Der Clip wurde sehr semiprofessionell gedreht und gezielt nur auf der Langnese-Website, sowie in der StudiVZ-Gruppe veröffentlicht.
Es wurde bewusst nicht als Viral-Kampagne geplant – denn noch wurde der Clip in kürzerster Zeit auf diverse Plattformen wie YouTube & Co. von den Usern veröffentlicht. Die StudiVZ-Gruppe feierte “ihren Erfolg” im Web u.a. in Blogs und das Medieninteresse war auch sehr hoch. Die Hamburger-Morgenpost veröffentlichte einen Artikel über eine 3/4-Seite (kostenlose Werbung für Nogger Choc) , sowie diverse andere Zeitungen offline und online unter dem Leitmotto: “Web 2.0 bringt Nogger Choc zurück”.
Auch für Langnese war es nachträglich ein Erfolg: Neben dem Medieninteresse, wurde Nogger Choc 2008 zum absatzstärksten Eis in der Produktpalette von Langnese. Manche Blogger beschwerten sich nachträglich, das Nogger Choc eine geänderte Rezeptur besitzt und somit der ursprüngliche Geschmack verfälscht ist. Denn noch bleibt es auch mit abgewandelter Rezeptur ein voller Erfolg für Langnese und man erkennt deutlich, welchen Einfluß jeder Einzelne gebündelt in einer Gruppe hat.
Ähnliche Aktionen gab es bereits 2005, als Ferrero das Gesicht der Kinderschokolade auf seinen Verpackungen geändert hatte. Damals gab es eine ähnliche Netzbewegung, die leider bei Ferrero keinen Anklang fand. Die User mobilisierten sich auf der Plattform: www.weg-mit-kevin.de. Ferrero hatte damals ein Kompromiss gefunden und zum Jubiläum mehrere Verpackungen gedruckt – ein kleiner Erfolg für die Stimme des Volkes.

Mein Name ist Marcel Schler, ich bin freiberuflicher Social Media Berater aus Wiesbaden und blogge seit 2009 über News im Social Media Umfeld.
Der Artikel ist sehr interessant.Das Video ist auch schön und hoffetnlich kommt Nogger Choc 2008 wieder zurück:)