10 Fragen an Volker Gaßner von Greenpeace
Wie bereits am Freitag angekündigt, beginnt heute die neue Interview-Serie im Blog. In einem 14-Tage Rhytmus werden Personen aus den unterschiedlichsten Bereichen interviewt.
Den Anfang macht Volker Gaßner von Greenpeace Deutschland, der uns ein Blick hinter den Kulissen gewährt.
In unserem Interview gibt er Antworten wie Greepeace Deutschland von den Web 2.0 Tools profitiert und welchen Stellenwert die neuen Kanäle in der Unternehmenskommunikation und -planung haben.
An dieser Stelle möchte ich mich beim Herrn Gaßner für das nette Interview und seine Zeit für die Beantwortung der Fragen bedanken.
01. Hallo Herr Gaßner, stellen Sie sich bitte den Lesern kurz vor und beschreiben Sie Ihre Tätigkeit bei Greenpeace Deutschland.
In der Greenpeace-Zentrale in Hamburg arbeite ich seit dem Jahr 2000. Kennengelernt habe ich die Organisation davor in zehn Jahren ehrenamtlicher Arbeit in den Greenpeace-Gruppen Frankfurt und Marburg.
In meiner Zeit als Kampaigner habe ich Strategien für die Einbindung unserer Ehrenamtlichen Aktivisten in die Kampagnenarbeit entwickelt und durchgeführt, aber auch Kampagnen wie de Kampagne Müllermilch = Genmilch und die Jugendkampagne SolarGeneration geleitet.
Seit Januar 2008 verantworte ich den Teilbereich Presse, Recherche und Neue Medien.
02. Greenpeace twittert sehr erfolgreich, ist auf Facebook mit über 1.600 Fans der deutschen Greenpeace Fan-Page vertreten und betreibt diverse Themen-Blogs. Musste am Anfang viel Überzeugungsarbeit in der Greenpeace-Zentrale geleistet werden, um sich für die verschiedenen Kommunikationskanäle zu öffnen?
In der Strategie waren wir uns schnell einig, dass das Internet für unsere zukünftige Kommunikation eine stärkere Rolle spielen muss. Alleine schon um die jüngeren Zielgruppen zu erreichen, deren Medienkonsum praktisch komplett im Web stattfindet.
Wichtig war und ist, dass die Geschäftsführung voll hinter unserer Internet-Strategie steht und sie stützt. So wurde auch unser Vorschlag eine offene Community zu entwickeln sehr schnell angenommen und unterstützt. Aber für viele Kollegen stellen die neuen Kommunikationskanäle auch eine enorme Herausforderung an ihr Ressourcen- und Zeitmanagement dar.
Wir fahren unsere etablierten Kommunikationskanäle bisher auch sehr erfolgreich weiter und bedienen zusätzlich unsere eigenen sowie die externen Angebote im Web z.B. bei Facebook, YouTube oder Twitter.
03. Die neuen Kommunikationskanäle sind gerade in der Anfangszeit sehr zeitintensiv. Wie wurde der Aufwand intern bewältigt?
Wir haben unser Team vor allem in den Phasen der Konzepterstellung verstärkt. Wir verfolgen den Ansatz, dass die Kommunikation im Bereich Social Media auch von unseren Kampaignern übernommen wird.
So bloggt beispielsweise unsere Kollegin und Meeresexpertin Iris Menn über ihre wissenschaftliche Arktis-Reise auf dem Greenpeace-Schiff Esperanza . Aber auch unsere KollegInnen aus dem Briefcenter schreiben neuerdings im Greenpeace-Blog und beschreiben sehr charmant einen Aspekt der Greenpeace-Arbeit, den die Öffentlichkeit wenig kennt.
04. Haben die Web 2.0 Kommunikationen die Arbeiten bei Greenpeace in Form von Öffentlichkeitsarbeit und Kampagnen stark verändert?
Bisher haben sie unsere Arbeit nicht stark verändert. Aber ihr Einfluss nimmt zu. Heute bekommen wir z.B. über Twitter in kürzester Zeit ein ungefiltertes Feedback zu unseren Aktionen und unserer Informationsarbeit.
05. Gibt es Web 2.0-Synergien auch für die internen Strukturen bei Greenpeace? Stichwort: Enterprise 2.0. Wo sehen Sie die Vorteile und welche Risiken sind bei der Planung Ihrer Meinung nach zu berücksichtigen?
Wir haben 2007 unsere interne Community EhrPort (Kürzel für Ehrenamtsportal) gelauncht. Ziel war, die Kommunikation zwischen Hauptamtlichen und Ehrenamtlichen zu verbessern, den Zugriff auf Materialien wie Flyer und Poster zu erleichtern und miteinander zu diskutieren und zu organisieren.
Und immerhin sind dort heute über 2.600 von insgesamt 3.600 ehrenamtlichen Mitgliedern aktiv.
06. Haben die eigenen Länder vollständige Gestaltungsfreiheit in der Wahl der Kommunikation oder gibt es Einschränkungen?
Wir haben unsere eigenen Ideen und Vorstellungen und setzen sie entsprechend um. Wir sind aber im ständigen Austausch mit unseren internationalen KollegInnen z.B. über unsere internationalen eMail-Listen und über das Intranet.
Wir unterstützen Online-Kampagnen von anderen Ländern und bekommen auch selbst Unterstützung. Wir tauschen uns intensiv über die Nutzung von Social-Media-Plattformen oder anderen Tools aus.
07. Wie geht Greenpeace mit den Risiken einer offenen Kommunikation im Web 2.0 um? Eine offene Meinungsplattform bietet sich auch für Kritiker an, Ihre Meinung ungefiltert zu veröffentlichen.
Wir nehmen den Mitmachgedanken ernst und dazu gehört eben der Dialog im Netz.
Unsere aktuellen Aktionen führen in unserem neuen Blog zu vielen Kommentaren und Diskussionen. Da finden sich in der Energiedebatte auch die Mitarbeiter von Atomkraftwerken auf unserem Blog. Wir haben aber gute Argumente für unsere Einschätzungen und Meinungen, da gehen wir gerne in Diskussionen.
08. Wie sieht eine typische Kampagnen-Planung aus? Wird das Medium Internet immer in die Planung einbezogen?
Das hat sich in den letzten zwei Jahren sehr verändert. Das Web ist fester Bestandteil der Kampagnenplanung bei Greenpeace geworden und wird nicht nur als nettes Tool gesehen.
Wir versuchen Aktionen auf der Straße mit Aktionen im Netz strategisch zu verbinden. Wie so etwas aussehen kann, zeigt beispielsweise unsere kleine Kampagne gegen das Greenwashing von Vattenfall. Unter www.klimaunterschrift-vattenfall.de haben wir die Originalseite von Vattenfall nachgebaut und u.a. ein Schwarzbuch Vattenfall veröffentlicht.
09. In Kürze startet nach mehr als 1 Jahr Planung und Entwicklung die neue Plattform “GreenAction“. Was ist das Ziel von GreenAction? Welchen Mehrwert bietet die Community gegenüber der Greenpeace.de-Website?
Greenaction ist eine Mobilisierungsplattform.Wir möchten mehr Unterstützer mit unseren Themen und Aktionen erreichen und auf GreenAction zusammenbringen. Unsere neue offene Community ermöglicht es, dass jeder, der sich für den Umweltschutz einsetzten möchte, eine Kampagne starten und Unterstützer suchen kann – egal ob Einzelpersonen, Initiativen oder Organisationen.
Neu ist für uns die Öffnung der Community für andere Themen außerhalb der Greenpeace-Arbeit. Wir möchten noch stärker in den Dialog mit unseren Unterstützern treten, um gemeinsam im Web oder auf der Straße den Druck auf die Unternehmen oder Politik für Veränderungen zu erhöhen.
10. Welche Entwicklung im Internet-Zeitalter würden Sie sich für die Zukunft wünschen?
Mehr politisches Engagement im Web.

Mein Name ist Marcel Schler, ich bin freiberuflicher Social Media Berater aus Wiesbaden und blogge seit 2009 über News im Social Media Umfeld.